Blizzard Community Appeasement Strategie: Reale Namen statt Nicknames!?

Blizzard World of Warcraft

Foren sind oft ein Ort des ungezügelten Meinungsaustausches. Gerade, aber nicht nur, in Spieleforen wie zum Beispiel in Blizzards World of Warcraft kann es hoch hergehen und wo der Wettstreit im Multiplayer da ist, fliegen schnell auch die Fetzen. Das Resultat kennt jeder Community Manager aus mehrfachem eigenen Erleben: Gepflegtes Trolling und ausgewachsene Flamewars.

Auch im WoW Forum ist das seit 2005 keine Unbekannte. Doch offenbar wird es den Betreibern nun zu bunt: Bald sollen nicht mehr Nicknames, sondern die REAL ID mit echtem Namen und Vornamen in den Postings stehen!

Das Ziel: Die Anonymität eines Nicknames verleitet dazu, über die Stränge zu schlagen. Wenn der echte Name offen neben dem Posting steht, wird man sich das nicht unbedingt trauen. Die ganze Sache beruhigt sich oder findet gar nicht statt. So die Hoffnung von Blizzard.

[Quelle DE: Eurogamer.de]
[Quelle EN: Gamesindustry.biz]

Ist diese Hoffnung berechtigt oder besser: begründet?

Auf den ersten Blick ergeben sich einige interessante Sichtweisen – die ihr gern erweitern dürft ;)

1. Selbstbestimmte Anonymität oder Rollenspiel mit Realnamen?

Das WWW steht zwar nicht mehr unbedingt für absolute Anonymität (bei Facebook und Co. ist man mit persönlichen Daten nicht gerade wählerisch), dennoch steht in einem Forum noch immer der Nickname dafür, dass man sich eine virtuelle Identität schaffen möchte – unbesehen der realen Verhältnisse. Nicknames als Methode des Appeasements aus einem Forum zu verbannen, ist also nicht nur ein Problem der gelernten Anonymität. Man beraubt dabei vielmehr den User seiner Möglichkeit, sich eine virtuelle Identität im Kontext des Spiels zu schaffen.

Gerade in einem Forum eines MMO RPGs wie World of Warcraft scheint dies noch eine Spur irrsinniger. Geht es in vielen Gilden und Clans sowie im Spiel selbst doch gerade darum, das virtuelle Alter Ego vom realen Selbst zu trennen – die Grundvoraussetzung, um an einem Rollen-Spiel überhaupt teilnehmen zu können!

2. Namenskonvention

“Guten Tag, Peter Müller mein Name – Guten Tag, gleichfalls!” So könnte es übertragen bald in einem Forum aussehen, welches viele Millionen Mitglieder mit Real-Namen beherbergt. Nicht nur in Deutschland gibt es eine Häufung von Namens-Doubletten, wie Verwechslungen selbst bei sensiblen Behörden wie der SchuFa immer wieder beweisen.
Auch wenn dies nur eine Kleinigkeit zu sein scheint – über die sich Blizzard sicher Gedanken gemacht hat – so muss dies irgendwann zwangsläufig zu Zusatz-Angaben führen um noch eine Transparenz zu ermöglichen, mit welchem Peter Müller man sich gerade austauscht. Ein Avatar dürfte hier nicht ausreichen. Nutzt man aber Beispiele wie “Peter.Mülller_123″ hätte man eigentlich auch beim Nickname bleiben können.

3. Die dunkle (Be)Drohung

Nehmen wir mal das gängige Beispiel: Forumuser A basht sich so richtig schön mit Forumuser B und beleidigt dabei das halbe Forum bis knapp unter die Gürtellinie. Der virtuelle Troll wird zwangsläufig irgendwann den Bann-Hammer spüren oder vom Rest des Forums ausgegrenzt. Dass einer Beleidigung auch rechtliche Anklage-Verfahren oder Anwaltsbriefe folgen, geschieht in einem Spielforum eher selten. Man ist sich dem, durch die Virtualität erzeugten “Troll-Faktors” meist gewahr und der Bezug bzw. die Nutzung eines Nicknames lässt einem Moderator oder CM eher die Chance, die Wogen zu glätten ohne dass die Rechtsanwälte auf den Plan treten.  Es entsteht durch die Schutz-Anonymität auf beiden Seiten also eine gewisse Lücke, in der manches Ansinnen auf real-weltliche Auseinandersetzung automatisch verschwindet.

Steht allerdings ein Realname vor dem Trollpost, könnte bei ernsteren Auseinandersetzungen die Schwelle, einen Anwalt auf den Beleidiger loszulassen, weit niedriger liegen.

Natürlich gibt es diesen Fall auch jetzt schon im normalen Tagesgeschäft – ein Forum ist kein rechtsfreier Raum und gerade darauf weisen viele User auch im Eifer des Gefechts hin – doch könnte der Schritt vom reinen “Hinweis” als Drohung hin zur anwaltlichen  Be-Drohung durchaus geringer ausfallen, wenn in dem Sinn zwei nicht mehr völlig virtuell abgegrenzte User emotionale durch die Sichtbarkeit ihrer Realnamen in einen Streit verstrickt sind. Man fühlt sich einfach exponierter in der realen Identität – worauf eine Beleidigung sehr viel schwerer wiegt und Reaktionen eventuell härter ausfallen.

Zusammengefasst: Man darf gespannt sein, ob Blizzard hierbei ein Vorzeigemodell für zukünftige Appeasement-Strategien schafft, welches sich auf weitere Foren ausdehnt – oder ob die Blizzard Community Manager zwar eine Reduktion der Anzahl, aber dafür eine Steigerung der Qualität der Flamewars und deren (rechtliche) Folgen werden gegenübertreten müssen.

Was meint ihr zum Vorstoß in die Welt der Realnamen?

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